Apr 2021

In Memoriam - Ciao BREAKOUT!

In Memoriam - Ciao BREAKOUT!

Von Februar 2020 bis Januar 2021 wagten wir gemeinsam mit unseren Joint-Venture-Partner Bauwens & Büschl ein Experiment: eine kreative Zwischennutzung der zentralen Gewerbeimmobilie am Münchner Hauptbahnhof. Aus dem leerstehenden blauen Eckgebäude in der Bayerstraße 25 wurde der Co-Creation-Space BREAKOUT – ein zentraler Ort für Kreativarbeitende, Start-Ups und Co-Worker. Betrieben wurde es von MUCBOOK-Team in Kooperation mit dem Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft der Landeshauptstadt München. Nach einem spannenden Jahr blicken wir gemeinsam zurück:

Was fällt euch als erstes ein, wenn Ihr an das BREAKOUT in der Bayerstraße zurück denkt?

Die Vielfalt. Alleine der Weg in das Gebäude war schon aufregend. Bayer-, Ecke Schillerstraße, das ist der Punkt in München, ab dem keine Verkehrsregeln mehr zu gelten scheinen, die Sprachen, in der sich Passanten unterhalten, variiert innerhalb von 5 Metern gefühlt 5 Mal und neben den Obdachlosen auf dem Gehsteig stehen die dickesten BMWs der Stadt mit verdunkelten Scheiben. Alle 20 Meter wird ein top Dürüm angeboten und die Lautstärke ist an Frühling- und Sommertagen auch um einiges höher als im Rest Münchens. 

Im Gebäude angekommen nimmt die Diversität weiter Fahrt auf: der Pop-up-Store mit Manufakturen verschiedener Branchen aus München, im ersten Stock der Coworking Space mit den Freelancern und den ständig besetzten Meetingräumen, der Küche, der begrünten Terrasse. In den Stockwerken darüber die Start-ups in ihren Büros und Künstler*innen in ihren Ateliers, die verschiedener nicht sein könnten.Kurzum: es war ein richtig bunter Haufen, der (mit Abstand zum alltäglichen Wahnsinn) sehr viel Freude bereitet hat.

Was war für euch das besondere am BREAKOUT in der Bayerstraße?

Die Unkompliziertheit, mit der alles lief. Ab Zeitpunkt der Ausschreibung der Räume bis zum Auszug waren der Großteil der Mieter*innen einfach nur glücklich, eine so zentrale und günstige Möglichkeit in München gefunden zu haben, die es ermöglichte, in einer kreativen Community gemeinsam zu wachsen und zu schaffen.

Was hat euch besonders gut am Gebäude und Standort gefallen?

Die zentrale Lage am Hauptbahnhof war unschlagbar, auch das Gebäude war durch seine Grundausstattung ideal als Bürofläche (Strom, sanitäre Anlagen, vollständiger Boden und sehr gute Beleuchtung). Außerdem haben wir uns sehr über die kleinen Außenflächen gefreut, die wir als Terrasse und Balkon für Mittagspausen und Meetings nutzen konnten. Bei Führungen durchs Haus war zudem der Keller sehr beliebt, der durch seine Tresorräume der alten Bank immer ein "Krass!" und ein "wie geil!" hervorgerufen hat.

Was hat euch besonders gut an der Zwischennutzung gefallen?

Schön war es, dass wir flexibel in unserer Planung sein konnten und es kein Problem darstellte, als wir, durch die hohe Nachfrage, ein Stockwerk mehr bespielen wollten. Auch war es zu Zeiten der Pandemie, die wir im BREAKOUT in seiner vollen Härte erleben mussten existentiell, dass wir auf das Verständnis von e+k bauen konnten, was Mieterlass und geminderte Nebenkosten betraf.

Gibt es herausragenden interdisziplinären Projekte, die vor Ort entstanden sind?

Die BREAKOUT Community hat viele Leute vernetzt, so zum Beispiel die Pop-up-Store Lables, die sich seither gegenseitig fördern und unterstützen. Der Podcast "Munich Next Level" von MUCBOOK mit Marco Eisenack produzierte und releaste dort seine ersten Folgen. Asta von Unger hat die Räume für ihr Kunstprojekt “Yesterday, Now, Tomorrow” zu einem Gesamtkunstwerk gemacht. Der Musiker ENIK hat in seinem Studio im 4. OG ein Videoprojekt “Shelter Skelter” mit zugehörigem Musikalbum produziert, das in der SZ gefeiert wurde

Es entstanden insbesondere auch unter Künstlern neue Kollaborationen. MUCBOOK selbst griff immer wieder auf die Kompetenzen im Haus zurück: Enik produziert den Podcast MUNICH NEXT LEVEL, der Künstler Max Wencelides baute die Bühnen und den Boden im EG aus, die Schauspielerin Eva Bay wurde als Sprecherin für Video-Projekte beauftragt, der Künstler Alex Mosler aka TapeMoss wurde mit der Gestaltung als Tape-Art-Künstler beauftragt, die Popup-Shop-Betreiberin Alina Oswald verkaufte mit ihrem Label Masken im Garden of Good und wurde dort als Grafikerin für MUCBOOK CLUBHAUS entdeckt, die Startup-Community rund um Daniel Kilger wurde zu einem Hotspot der IT-orientierten Gründer*innen in München.  

Was werdet Ihr am meisten aus der Bayerstraße vermissen?

Die große Community! Unter dem Dach der Nachhaltigkeit, der Innovation und der Kreativität trifft man auf vier Stockwerken viele interessante Menschen. Die Motivation etwas zu schaffen und etwas zu bewegen konnte man täglich spüren.

Wo geht es für euch nun hin?

Bereits vor Ablauf der Zwischennutzung im BREAKOUT haben wir eine neue Zwischennutzung als Coworking Space in Haidhausen eröffnet, den OPTIMISTIC ELEPHANT. Dazugekommen sind außerdem noch die FACTORY in Schwabing und neu im Konzept sind auch Hotelkooperationen wie z.B. mit dem 25h Hotel und dem Hilton Munich Park. Weitere Projekte in Neuhausen, Riem und Neuperlach – und in Schwabing (dort lagern unsere Möbel im Kesselhaus von e+k) – sind in Vorbereitung  - Langeweile liegt uns fern.

Wie unterscheidet sich der OPTIMISTIC ELEPHANT im Gasteig vom ehem. BREAKOUT?

Fragen müsste man eher: in welchen Punkten überschneiden sie sich nicht? Es gibt in beiden Locations Coworking in einer offenen, entspannten Atmosphäre und drum herum eine unbändige Vielfalt an Nutzungen und Möglichkeiten. Allerdings ist das Konzept im Elefanten anders aufgegliedert als im BREAKOUT: Im BREAKOUT gab es feste Mieter*innen und ein Pop-up-Store, im Optimistic Elephant  gibt es dafür eine Abendgastronomie und den großen Außenbereich.

Vielen Dank an das MUCBOOK-Team für das Interview! Hoffentlich haben wir im Rahmen der Zwischennutzung im Kesselhaus, Schwabing, bald wieder das Vergnügen!