Aug 2020

Don‘t waste this city

Don‘t waste this city

Wo und wie wir leben, arbeiten, konsumieren, kommunizieren und uns bewegen wird sich zukünftig grundlegend ändern. Dieser Wandel zeichnete sich bereits vor der Corona-Pandemie ab. Durch sie werden Bedürfnisse und Schwächen in urbanisierten Räumen der Stadtentwicklung lediglich verstärkt. Im Prinzip ist Covid-19 der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und vor allem zeigt, worauf es in der Stadt- und Quartiersentwickelung jetzt wirklich ankommt.

Mischgenutzte Quartiere: Stadt der kurzen Wege

Während des wochenlangen Lockdowns in Selbstisolation, Homeoffice oder Homeschooling wurden alltägliche Bedürfnisse, die für uns in urbanisierten Räumen selbstverständlich sind, deutlich. Nach wochenlangem sozialen Distancing gewinnt der Wunsch nach echten und analogen Kontakten zunehmend an Bedeutung. Ebenfalls wurde der Versorgung und der Infrastruktur ein höherer Stellenwert beigemessen. Wir halten uns bevorzugt an belebten und urbanen Plätzen auf, die uns ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln und eine uneingeschränkte Nahversorgung ermöglichen.

Dies entspricht der Vorstellung nach einer dichten, durchmischten Stadt der kurzen Wege, die in einem Quartier all das verbindet. Als Projekt- und Quartiersentwickler konzipiert und realisiert ehret+klein durchmischte Quartiere, in denen die Menschen gerne leben, wohnen, arbeiten, ihre Freizeit verbringen und einkaufen können.

Bedürfnisorientierte Städte und Quartiere

Doch wie gelingt das Zusammenspiel von Urbanität und Gemeinschaft in der Quartiersentwicklung? Indem die Menschen an der Entwicklung und Gestaltung eines Ortes partizipieren dürfen. Durch diese aus Bürgerbeteiligung initiierten Räume entsteht ein Gemeinschaftsgefühl und neuer Bezug zur Stadt und öffentlichem Raum.

Erfreulich in den vergangenen Wochen war, dass die Bereitschaft für eine digitalere Immobilienbranche durch die Corona-Pandemie zunahm. Diese Reformbereitschaft birgt die Chance für digitale Beteiligungsformate. Auf diese Weise können Planungs- und Genehmigungsverfahren einer breiteren und öffentlichen Beteiligung zugänglich gemacht werden. Dies mündet in breit legitimierte Entscheidungen für eine lebenswertere und bedürfnisorientiertere Stadt.

Mehr Flächeneffizienz

Wir müssen und werden eine neue Debatte über Urbanität und Dichte führen. Im Homeoffice und Homeschooling wurden uns die zahlreichen leeren Arbeits- und Büroräume, sowie die mit Fahrzeigen dicht befüllten Straßen, erst wirklich bewusst. Doch bereits vor Corona blieben viele Büros abends, nachts und am Wochenende ungenutzt. Dabei gibt es genügend Kreative und Selbstständige, die erst abends mit der Arbeit beginnen. Es ist also denkbar, lediglich den Raum, der uns zur Verfügung steht, effizienter zu nutzen.

Die Pandemie verändert nicht nur unser Verständnis von nachhaltiger Quartiersentwicklung, sie zeigt auch, welche Chancen wir jetzt ergreifen können. Ein gut konzipiertes und mit allen entscheidenden Akteuren entwickeltes Quartier kann mit ihren urbanen, einladenden Räumen die Stadtentwicklung und somit die Stadtgesellschaft aufblühen lassen. Das schließt die Diversifikation von horizontalen und vertikalen Nutzungskonzepten mit ein. Dazu gehört auch das Einbinden und Abholen der Menschen vor Ort, denn sie erfüllen einen Ort mit Leben.

Ihr Michael Ehret

Dieser Beitrag erschien auch im polis-Magazin zur polis-Convention am 13.08.2020